Unterrichtsformen an der Hansaschule


Nach dem Prinzip der kleinsten Schritte wird mit möglichst viel Anschaulichkeit handlungsorientiert rhythmisierter Unterricht geplant und durchgeführt. Dies geschieht, soweit wie möglich, an den Interessen der Schüler orientiert.



Handlungsorientierter Unterricht wird bei uns (nach Reichwein) verstanden als ein Unterricht auf der Grundlage von

-          einem ganzheitlichen Verständnis

-          der Aktivität der Schüler

-          der Produktorientierung

-          der Fokussierung der Schülerinteressen (subjektive und objektive Interessen, Anforderung des Zeitgeistes)

-          der Beteiligung an Planung, Durchführung und Reflexion

-          der Öffnung von Schule (in 3 Aspekten: Fächerübergreifend, selbstaktiv, nach außen)

-          der Integration von Kopf und Hand.

 

 

Diese Prinzipien werden an der Hansaschule in verschiedenen Unterrichtsmethoden, nach denen wir schwerpunktmäßig unterrichten, realisiert:

 

 

Wochenplanarbeit

 

Kurze Beschreibung der Methode:

Die Wochenplanarbeit ist eine Methode zur Öffnung des Unterrichts. Sie stellt eine

Alternative zum Frontalunterricht dar, ohne dem Lehrer jedoch die Kontrolle völlig aus der Hand zu nehmen. Die Schüler erhalten zu Beginn eines bestimmten Zeitraumes (z.B. eine Woche) einen Plan, auf welchem Aufgaben aus den verschiedenen Fächern mit ihren Lerninhalten aufgelistet sind. In den dafür vorgesehenen Unterrichtsstunden besteht die Möglichkeit, den Wochenplan in unterschiedlichen Sozialformen wie Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit zu bearbeiten. Die Wochenplanarbeit wird an unserer Schule häufig mit der Freiarbeit kombiniert und ist ein wesentlicher Bestandteil des Offenen Unterrichts. Die Hilfe des Lehrers soll nur dann in Anspruch genommen werden, wenn es unbedingt notwendig ist. Auch bei der Korrektur der erledigten Aufgaben steht die Selbstkontrolle des Schülers im Vordergrund. Anhand der Wochenplanarbeit sollen sowohl die Selbstständigkeit als auch die sozialen Kompetenzen gefordert und gefördert werden.



Die Rolle des Schülers

Um Behaltensleistungen grundsätzlich auf eine bessere Basis zu stellen, ist es uns besonders wichtig, Schülern die Möglichkeit zu geben, sich selbst mit dem Unterrichtsthema auseinanderzusetzen, darüber zu sprechen und ihnen Aufgaben zu geben, an denen sie selbst aktiv und konstruktiv tätig werden können. Denn es wird mehr von dem behalten, worüber man selbst spricht und noch mehr von dem erinnert, was man selbst ausprobiert. Die Arbeit mit dem Wochenplan sehen wir als eine gute Methode an, um den Schüler aktiv in den Unterricht einzubeziehen.


Die Schüler dürfen selbst entscheiden, wann sie welche Aufgaben des Wochenplans erledigen möchten. Dabei ist allerdings ein Zeitrahmen vorgegeben, der festlegt, zu welchem Zeitpunkt alle Aufgaben bearbeitet sein müssen. Um die Aufgaben des Wochenplans lösen zu können, müssen die Schüler selbst aktiv werden, indem sie sich die Materialien, welche sie für die Aufgabe benötigen, eigenständig überlegen und heraussuchen. Wenn sie mit der Bearbeitung einer Aufgabe einmal nicht weiterkommen, können sie sich Hilfe von ihren Mitschülern holen oder auch vom Lehrer, der sich während der Wochenplanarbeit allerdings zurückhält. So lernen die Schüler, selbstständig zu arbeiten. Dadurch, dass die Schüler sich intensiver mit ihren Aufgaben beschäftigen, ist der Lerneffekt höher. Auch schwächere Schüler können sich während des Unterrichts nicht mehr passiv verhalten, da jeder Schüler seine Aufgaben eigenverantwortlich und selbstständig zu lösen hat.


Die Rolle des Lehrers

Der Lehrer steht während der Wochenplanarbeit eher im Hintergrund. Er ist den Schülern, die Fragen haben, zwar behilflich, doch nur, indem er versucht, diese durch Hinweise und Tipps zu einem eigenen Lösungsweg zu führen. So übernimmt er sozusagen die Rolle eines„Begleiters“.

Abgesehen von seiner Rolle während der Wochenplanarbeit hat er schon im Vorfeld viele Aufgaben. Er muss zunächst den Wochenplan konzipieren, so dass er für seine Schüler passend ist. Zudem liegt es in seinem Aufgabenbereich, Materialien zu besorgen und Schüler und Eltern mit dem Konzept des Wochenplans vertraut zu machen. Er muss auch eine Umorganisation des Klassenraums gestalten. Das Besorgen der Materialien und die Umgestaltung des Klassenraums können auch in Zusammenarbeit mit den Schülern und den Eltern geschehen. Der Wochenplanunterricht hat sich an unserer Schule bereits etabliert und so tauschen Lehrerinnen und Lehrer Materialien, die sich bewährt haben, zunehmend untereinander aus.



Verschiedene Formen des Wochenplans

Ein Wochenplan und seine Aufgabenstellung kann in Einzel-, Gruppen- oder Partnerarbeit bewältigt werden. Dabei unterscheidet man verschiedene Formen von Wochenplänen.

Beim geschlossenen Wochenplan bestimmt die Lehrkraft den Wochenplan eigenständig. Die Formulierungen der Aufgaben, die Bestimmung der Sozialform oder die Bereitstellung von Arbeitsmaterialien liegen allein in ihrer Hand. Eine solche Form des Arbeitens steht bei uns zumeist am Anfang der Arbeit mit solchen Plänen im Unterricht, also primär in den Vor- und Unterstufen. Die Schüler müssen hier stärker angeleitet werden.

Der offene Wochenplan stellt eine Weiterentwicklung des geschlossenen Wochenplans dar und wird an unserer Schule meistens in der Mittelstufe eingeführt. Hier erarbeiten Schüler und Lehrer gemeinsam die Strukturen des Plans. Sowohl die Form der Aufgabenstellungen, die Sozialform, als auch die Auswahl der Arbeitsmaterialien werden gemeinschaftlich geplant. Da die offene Form meist von Schülern benutzt wird, die bereits über Erfahrung mit der Wochenplanarbeit verfügen, ist eine wesentlich eigenständigere Schülerarbeit möglich.



Der differenzierte bzw. gemischte Wochenplan enthält sowohl Pflicht-, als auch Wahl- und Zusatzaufgaben. Er stellt also eine Mischform zwischen dem geschlossenem und dem offenen Wochenplan dar. Auch diese Form der Wochenplanarbeit wird an unserer Schule angeboten.

Der Wochenplan mit mehreren Fächern ist der gebräuchlichste und wird meist in der

Grundschule eingesetzt. Da die Lehrkraft in dieser Schulform in der Regel mehrere Fächer in der Klasse unterrichtet, kann der Wochenplan fächerübergreifend gestaltet werden. Die Vielfalt der angebotenen Aufgaben nimmt durch eine solche Vorgehensweise zu, was von Lehrern und Schülern ein gewisses Maß an Erfahrung im Umgang mit Wochenplänen verlangt. Zu dieser Form der Wochenplanarbeit gehen Lehrerinnen und Lehrer der Hansaschule über, wenn die Strukturen der Wochenplanarbeit im Allgemeinen bei den Schülerinnen und Schülern so gefestigt ist, dass das erarbeitete Konzept auf weitere Fächer ausgeweitet werden kann.

 


Arbeit an Stationen

Unter dem Arbeiten an Stationen versteht man eine Form der Freiarbeit, bei der ein Thema über vielfache Zugänge erarbeitet, vertieft  und gefestigt wird. Zu diesem Zweck werden einzelne Stationen aufgebaut, die dem Schüler selbständiges Arbeiten an jeder Station ermöglichen. Jedes Kind sollte so intensiv tätig sein, wie es im Moment vermag. Jede Arbeit führt zu einem Erfolgserlebnis und regt zu neuem Tun an.

 

An der Hansaschule wird das Stationsverfahren in verschiedenen Fächern eingesetzt. Unabhängig von Fach und Inhalt wird ein Stationsverfahren in die folgenden vier Phasen unterteilt:

 

 1. Eröffnet wird das Lernen durch ein Anfangsgespräch, wobei Texte, Abbildungen oder Realgegenstände einbezogen werden können.

 

2. Ein Rundgang entlang der Stationen bietet Gelegenheit zu kurzen Erläuterungen der einzelnen Stationen

 

3. SuS beginnen die Arbeit an den Stationen.

 

4.Im Schlussgespräch berichten die Schüler über ihre Arbeit, Lernergebnisse, einzelne thematische Aspekte kommen zur Sprache, es wird vorgelesen, Produkte, wie Zeichnungen, Modelle, Gestaltungsergebnisse und ähnliches werden vorgelegt.

 

Ein Lernen an Stationen wird über mehrere Unterrichtsstunden hinwegerfolgt, so das in dem abschließenden Gespräch, lediglich einzelne thematische Aspekte aufgegriffen werden können .Eine Vollständigkeit wird nicht angestrebt. Teilaspekte eines Themas sollen in den Fokus der SuS gerückt werden. Eine zeitliche Bearbeitungsdauer für eine Station wird ebenfalls nichtfestgelegt. Die Stationswechsel sollen individuell erfolgen.

Zur Begriffsklärung lässt sich zusammenfassend sagen, dass es sich um ein Angebot mehrerer Lernstationen handelt, die die Schüler im Rahmen einer übergeordneten Thematik weitestgehend selbstständig, in beliebiger Abfolge und meist auch in frei gewählter Sozialform bearbeiten.

Hier die drei wesentliche Zielsetzungen, welche das Stationslernen, als eine offene Form des Unterrichts, beinhalten sollte:

 

1.Wahlfreiheit in Bezug auf das Arbeitsangebot

·        Zwar Vorgabe durch thematischen Rahmen

·        aber SuS können durch Auswahl der Stationen individuellen Lernzugang und Lernwege finden

·        Lehrer wird zum Lernhelfer

2.Wahlfreiheit der Sozialform

·        möglichst Stationen mit Wahlfreiheit der Sozialform (Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit) anbieten

3.Wahlfreiheit hinsichtlich der Lernzeit

·         keine zeitlichen Vorgaben

·         SuS entscheiden eigenständig und individuell über Verweildauer an Stationen (Voraussetzung: Großes Angebot von verschiedenen Stationen)

 

 


Fachorientierte Lehrgänge an der Hansaschule

Fachorientierte Lehrgänge sind sachstrukturell ausgerichtet und schreiten lehrgangsartig fort. Sie dienen dazu, bestimmte unterrichtsfachliche Qualifikationen systematisch zu erarbeiten. An der Hansaschule finden Fachorientierte Lehrgänge bei Bedarf zur speziellen Förderung in den Fächern Lesen und Schreiben, Umgang mit Mengen, Zahlen und Größen, in Arbeitslehre (textiles Gestalten, Werken, Hauswirtschaftsunterricht), in Sport, Musik und Religion statt. Weitere Fachorientierte Lehrgänge können dazu dienen, ein spezielles Wahrnehmungstraining oder besondere psychomotorische und sprachpädagogische Maßnahmen durchzuführen.

Diese Lehrgänge haben einen entwicklungsbezogenen und am Fach orientierten systematischen Aufbau. Die Durchführung von Fachorientierten Lehrgängen ist nicht verbindlich. Sie sind nur dann sinnvoll, wenn die Schüler die Vorraussetzungen dafür mitbringen.

Die thematischen und förderspezifischen Verbindungen, das heißt, die gegenseitige Stützung zwischen Vorhaben und Fachorientierten Lehrgängen werden bei der Planung und in der Durchführung des Unterrichts berücksichtigt.

Übergeordnetes Ziel sowohl bei Fachorientierten Lehrgängen, als auch bei Vorhaben und Lehrgängen an der Hansaschule ist es, die Schülerinnen und Schüler zur Selbstverwirklichung in sozialer Integration zu führen.

Bei Fachorientierten Lehrgängen orientiert sich die Hansaschule an den Richtlinien für die Schule für Geistigbehinderte, NRW, 1980.

 

 

Freiarbeit

Freiarbeit meint eine Arbeitsform, in der die SchülerInnen aus einem Angebot von Lernmöglichkeiten in einer Lernlandschaft freie Aktivitäten für sich auswählen, ihren Lernbedürfnissen folgen und im Rahmen ihrer Lernbiographie eigene Lernwege beginnen (vgl. Wallrabenstein). Freiarbeit ist eine zentrale Form des offenen Unterrichts und lässt sich auf Reformpädagogen wie M. Montessori, C. Freinet und P. Petersen zurückführen. Freiarbeit ist kein eigenes Unterrichtsfach, sondern vielmehr eine Arbeitsform, die der Ergänzung und Vertiefung des Fachunterrichts dient. Innerhalb der Freiarbeit treffen die SchülerInnen auf eine vorbereitete (Lern-) Umgebung, welche auf ihre individuellen Interessen und Lernausgangslagen abgestimmt ist. Sie planen und gestalten ihren Arbeitsprozess selbstständig, kontrollieren und bewerten ihre Arbeitsergebnisse, entwickeln Interessen und lernen handelnd unter Einbeziehung aller Sinne. Sie erhalten die Möglichkeit, selbstständig zu arbeiten sowie Material, Inhalt, Schwierigkeitsgrad und Sozialform selbst zu wählen. Die SchülerInnen haben die Gelegenheit, ihren individuellen Lernbedingungen entsprechend zu arbeiten. 



Die genannten Aspekte der Freiarbeit sind im besonderen Maße auch für unsere Schülerschaft von Bedeutung. Daher wird an der Hansaschule in den meisten Klassen schon im Bereich der Vorstufe mit der Einführung der Freiarbeit begonnen. Die Einführung erfolgt dabei (oft in Anlehnung an M. Raeggel und C. Sackmann) Schritt für Schritt über Vorstufen der Freiarbeit, welche es unseren SchülerInnen ermöglicht, die notwendigen Voraussetzungen zu erreichen. Zu Beginn der Einführung der Freiarbeit werden zunächst die Materialien ausführlich eingeführt. Die Inhalte werden den fachorientierten Lehrgängen „Lesen und Schreiben“ und/ oder „Umgang mit Mengen, Zahlen und Größen“ entnommen und sind den SchülerInnen gut bekannt.




So erhalten unsere SchülerInnen, auch aufgrund der genauen Orientierung an ihren individuellen Lernausgangslagen, die Möglichkeit, von Anfang an möglichst selbstständig zu arbeiten. In welchem Maß und in welcher Form die Freiarbeit in den verschiedenen Klassen zum Einsatz kommt, variiert mit den unterrichtenden Lehrpersonen. Unsere SchülerInnen lernen im Rahmen der Freiarbeit, eigene Entscheidungen zu treffen, und werden aktiver und selbstständiger. Zudem haben sie Erfolgserlebnisse, die es ihnen ermöglichen, ein neues Selbstvertrauen aufzubauen.

 

 


 

Frontalunterricht


 

So nicht!