Werken Textil

Der Schwerpunkt im Unterricht „Werken Textil“ liegt auf dem Nähen mit der Nähmaschine. Das Erlernen dieser Fähigkeit ist für die Lernbereiche „Selbstversorgung“ und „Freizeitgestaltung“ wichtig, bekommt aber auch im Rahmen der Berufsorientierung besondere Bedeutung für einige Schülerinnen und Schüler der Berufspraxisstufe. In beiden Gelsenkirchener Werkstätten für Menschen mit Behinderung gibt es Arbeitsgruppen, in denen einfach zu nähende Produkte wie Decken, Kissen oder Taschen genäht werden, in den Gelsenkirchener Werkstätten für angepasste Arbeit werden zudem Rettungstücher genäht. Dieser Arbeitsbereich stellt ein mögliches Arbeitsfeld für die Schülerinnen und Schüler dar, so dass es wichtig ist, den sach- und fachgerechten sowie sicheren Umgang mit der Nähmaschine zu erlernen.

Bei der Produktauswahl wird auf die praktische Verwertbarkeit geachtet. So werden Produkte für den Verkauf auf den Weihnachtsmärkten der Werkstätten für Menschen mit Behinderung, für den Eigenbedarf der Schülerfirma, für andere Klassen und für den Eigenbedarf der Schülerinnen und Schüler gefertigt.

Bei entsprechender Leistung kann der „Nähmaschinenführerschein“ erworben werden.


1 Leitung

Frau Mahr, Frau Ernst-Quaß


2 Grundgedanken

  • sach- und fachgerechter sowie sicherer Umgang mit Werkstoff und Werkzeugen

  • Ausbildung von Sorgfalt, Ausdauer und Gefahrenbewusstsein

  • praktische Verwertbarkeit der gefertigten Produkte bei der Einrichtung des Schülercafés, beim Verkauf auf den Weihnachtsmärkten und an andere Klassen sowie für den Eigenbedarf der Schülerinnen und Schüler

  • realistischere Einschätzung der eigenen Fähigkeiten und Lernfortschritte durch die Produktbetrachtung

  • unterschiedliche Produktionsweisen: Begleitung eines Produktes vom Anfang bis zum Ende vs. Fließbandarbeit; Arbeiten nach Plan vs. Arbeiten nach Anschauungsmodell

  • Möglichkeiten zur Differenzierung bei der Zuweisung von Teilaufgaben: nach einer Einstiegsphase mit einem Produkt werden die Arbeitsprozesse zunehmend aufgegliedert und die Aufgaben verteilt, um so Qualität und Quantität der Produkte zu steigern

  • Anlehnung an reale Arbeitsprozesse

  • Grundkenntnisse und Fähigkeiten für eine mögliche Beschäftigung im Textil-Bereich bzw. Kreativbereich der Werkstätten (WfbM)


3 Ziele


3.1 Fachliche Ziele

Die Schülerinnen und Schüler…


  • lernen die Nähmaschine kennen:

  • benennen die Teile einer Nähmaschine und deren Funktionen

  • fädeln den Oberfaden ein

  • füllen die Spule

  • setzen die Spule ein

  • stellen den Stepp- oder Zickzack-Stich ein

  • verändern die Stichlänge


  • lernen den (sicheren!) Umgang mit der Nähmaschine kennen:

  • halten einen Sicherheitsabstand um die Nadel ein, der an der Maschine gekennzeichnet ist („Tabu-Zone“)

  • führen die Hände bei laufender Maschine über den Tisch, ohne die „Tabu-Zone“ um die Nadel zu berühren

  • führen den Stoff dabei behutsam

  • lassen die Nähmaschine langsam und schnell laufen

  • lernen das Nähen mit und ohne Fußpedal


  • lernen das Nähen einer geraden Naht:

  • verriegeln die Naht am Anfang und am Ende

  • nähen auf einer vorgezeichneten Linie

  • nähen ohne Hilfslinie parallel zum Stoffrand mit festgelegtem Abstand (z.B. „füßchenbreiter Abstand“)

  • schneiden die Fäden mit der Abschneidevorrichtung und/oder in vorgegebener Länge mit der Schere ab

  • bewältigen einen Richtungswechsel, indem sie die Nadel im Stoff lassen, das Füßchen anheben, den Stoff drehen und das Füßchen wieder senken

  • versäubern die Naht, indem sie mit Zickzack-Stich nah an der Stoffkante entlang nähen


  • lernen die begleitenden Arbeitsschritte (ohne Nähmaschine) kennen:

  • legen ein Schnittmuster auf den Stoff, stecken es fest und übertragen es mit Schneiderkreide oder Stift auf den Stoff

  • schneiden den Stoff an den markierten Linien aus

  • stecken Stoffteile vor dem Nähen mit Stecknadeln zusammen

  • beachten dabei die rechten und linken Stoffseiten

  • bügeln eine Naht auseinander (sachgerechter Umgang mit dem Bügeleisen!)

  • bereiten das Nähen eines Saumes vor, indem sie den Stoff abmessen, eine Linie anzeichnen, den Stoff umklappen, feststecken, bügeln, noch einmal umklappen, feststecken und bügeln

  • trennen eine Naht mit dem Nahtauftrenner auf


3.2 Senso-motorische Ziele

Die Schülerinnen und Schüler…

  • verbessern ihre feinmotorischen Leistungen (z.B. beim Zusammenstecken von Stoffen mit Stecknadeln)

  • erproben und verbessern ihre Auge-Hand-Koordination (z.B. beim Einfädeln der Nähmaschine, beim Nähen, beim Auftrennen, beim Schneiden)

  • verbessern die Gesamtkörperkoordination (Auge – Hand – Fuß) beim Nähen mit dem Fußpedal




3.3 sozial-kommunikative Ziele

Die Schülerinnen und Schüler...

  • erweitern ihre Selbsteinschätzung im Hinblick auf ihre Berufsorientierung

  • erproben ihre Kooperationsfähigkeit, indem sie Teilaufgaben in Kleingruppen übernehmen und verteilen sowie Hilfebedarf erkennen und diesem nachkommen, aber auch Hilfestellungen annehmen

  • übernehmen bei Teilaufgaben Verantwortung für das Gelingen der Arbeit der Gesamtgruppe

  • erweitern ihre Motivation durch die Arbeitssituation

  • erfahren aufgrund der direkten Verwertbarkeit der Produkte Dankbarkeit und Wertschätzung für die eigene Arbeit und stärken so ihr Selbstbewusstsein

  • organisieren und planen Arbeitsabläufe selbstständiger (z.B. Einrichten des Arbeitsplatzes, Aufräumarbeiten)


3.4 Anwendungsbezogene Kulturtechniken


3.4.1 Deutsch

Die Schülerinnen und Schüler...

  • üben das sinnentnehmende Lesen von Arbeitsplänen, Anleitungen und Symbolen, auch im Sinne des erweiterten Lese- und Schreibbegriffs

  • üben den mündlichen Sprachgebrauch, indem sie Arbeitsschritte, Werkzeuge und Materialien beschreiben und benennen


3.4.2 Mathematik

Die Schülerinnen und Schüler erproben ihr Verständnis von Mengen, Zahlen und Größen,…

  • indem sie beim Nähen eines Saumes Längen messen und entsprechend anzeichnen

  • indem sie im vorgegebenem Abstand zum Rand nähen

  • indem sie Bänder von vorgegebener Länge zuschneiden

  • indem sie Stoffstreifen nach vorgegebener Länge und Breite zuschneiden

  • indem sie mit Hilfe von Waagen oder markierten Litermaßen eine bestimmte Menge Körner für die Körnerkissen abmessen


4 Zielgruppe

Die Arbeitsgruppe „Werken Textil“ richtet sich besonders an die Schülerinnen und Schüler, die nach dem Projektzeitraum von einem Jahr in der Lage sein werden, relativ selbstständig mit einer Nähmaschine arbeiten zu können. Bei besonderem Interesse ist es aber generell für alle Schülerinnen und Schüler möglich, bei entsprechender personeller Besetzung in dieser Gruppe mitzuarbeiten, da die komplexe Handlung des Nähens mit der Nähmaschine auch einfache Arbeitsschritte beinhaltet. Zudem bieten sich bei der Weiterverarbeitung der genähten Produkte gute Möglichkeiten zur Differenzierung, indem die Schülerinnen und Schüler z. B. Bänder abmessen und schneiden, Füllmaterial in Kissen füllen, Körner für Körnerkissen abmessen und einfüllen oder Preisschilder für den Verkauf anfertigen.


5 Aufgaben der Schülerinnen und Schüler

5.1 Einrichten des Arbeitsplatzes

  • Aufstellen und Anschließen der Nähmaschine

  • Einfädeln des farblich passenden Ober- und Unterfadens

  • Bereitlegen der notwendigen Arbeitsgeräte (Schere, Stecknadeln auf Nadelkissen, Schneiderkreide, Arbeitsanleitung)

  • Bereitstellen von Bügelbrett und Bügeleisen


5.2 Ausführung der Vorbereitungs- und Näharbeiten

  • Stoff mit Hilfe eines Schnittmusters zuschneiden

  • zugeschnittene Stoffteile nach Anleitung weiterverarbeiten (z.B. zusammenstecken, nähen, bügeln)

  • Naht ggf. wieder auftrennen


5.3 ggf. Weiterverarbeitung des genähten Werkstückes, z.B.

  • Nadelkissen mit Füllwatte füllen

  • Dinkelkörner abwiegen, in Körnerkissen füllen

  • Kissen in den Kissenbezug stecken

  • Sand abmessen und in ein Glas füllen, Teelicht einsetzen, Glas in die genähte Stoffhülle stellen, zugeschnittenes Band um das Glas binden und Schleife binden


5.4 Aufräumarbeiten

  • Arbeitsgeräte und Arbeitsmaterial wegräumen

  • mit Besen, Kehrblech und Handfeger Fußboden säubern

  • genähte Produkte für den Berufswegeplan fotografieren und zur Präsentation ausstellen


6 Diagnostik

Ein Beobachtungsbogen mit einer Selbsteinschätzung der Schülerinnen und Schüler sowie einer Einschätzung der betreffenden Lehrkraft im Hinblick auf arbeitsrelevante Förderbereiche (z.B. Durchhaltevermögen, Motivation, Kooperationsfähigkeit) wird am Ende der Projektphase ausgefüllt. Die Leistung der Schülerinnen und Schüler wird ggf. durch den Erwerb eines „Nähmaschinenführerscheins“ bescheinigt.