Konzept der Berufspraxisstufe

Inhaltsverzeichnis


1 Ziele und Aufgaben in der Berufspraxisstufe (BPS)


2 Organisation der Berufspraxisstufe

2.1 Organisation des Unterrichts

2.2 Begleitung der Schülerinnen und Schüler

2.3 Studien- und Berufswahlkoordinatorin / Studien- und Berufswahlkoordinator (StuBO)


3 Berufsvorbereitung in der Berufspraxisstufe

3.1 Bereiche der Arbeitslehre

3.1.1 Hauswirtschaft: Kochen

3.1.2 Schülerfirma „Café- Hansa“

3.1.3 Hauswirtschaft: Textilpflege

3.1.4 Werken: Textil

3.1.5 Werken: Holz

3.1.6 Werken: Metall

3.1.7 Garten- und Landschaftsbau

3.1.8 Tierpflege

3.1.9 Werkstattarbeit


3.2 Berufsvorbereitende Projekte

3.2.1. bEO – ein Projekt zur beruflichen Erfahrung und Orientierung

3.2.2 STAR – Schule trifft Arbeitswelt

3.2.3 Orientierungstage


4 Zukunftsorientierte Lernvorhaben


5 Praktika

5.1 Angebote

5.2 Vorbereitung, Begleitung und Auswertung der Praktika


6 Dokumentation in der Berufspraxisstufe

6.1 Berufswegeplan

6.2 Förderplan

6.3 Zertifikate

6.4 Zukunftsordner


7 Kooperation mit den Erziehungsberechtigten



Konzept der Berufspraxisstufe

1 Ziele und Aufgaben in der Berufspraxisstufe

Ziel der Arbeit in der Berufspraxisstufe ist die Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf alle wesentlichen Aspekte nachschulischen Lebens. Dazu gehören die Bereiche soziales Leben, Partnerschaft und Sexualität, Öffentlichkeit, Mobilität, Freizeit, Wohnen und Arbeiten.

Die Arbeit in der Berufspraxisstufe orientiert sich an dem Modell der „Persönlichen Zukunftsplanung“ von Stefan Doose. Dabei stehen die Stärken und Interessen der Schülerinnen und Schüler im Vordergrund, weniger die Begrenzungen und Defizite. Die Schülerinnen und Schüler werden bestärkt, selbst zu entscheiden, neue Möglichkeiten zu erkunden, den Berufs- und Lebensplanungsprozess möglichst selbstständig zu steuern. Gleichzeitig sollen sie das Getragen- und Gestützt-Werden durch Unterstützer (Familie, Freunde, Lehrkräfte, weitere professionelle Stellen) erleben, Meinungsverschiedenheiten tolerieren lernen sowie nach Rückschlägen eine Um- oder Neuorientierung vornehmen. Sie sollen herausfinden, welche Fähigkeiten, Wünsche und Ziele sie in den wichtigen Bereichen des Lebens haben und welche Unterstützungsmöglichkeiten für sie bestehen. Diese erarbeiteten Ergebnisse bilden neben der Potentialanalyse die Grundlage für die berufliche und persönliche Zukunftsplanung an dem runden Tisch der Elterntage.



2 Organisation der Berufspraxisstufe

2.1 Organisation des Unterrichts

Um eine möglichst individuelle und angemessene schulische Berufsorientierung und Berufsvorbereitung zu erhalten, soll jede Schülerin und jeder Schüler zwei Jahre die Berufspraxisstufe zu besuchen. In der Regel sollen sie die letzten beiden Schuljahre vor dem Ende der Schulpflicht in der Berufspraxisstufe absolvieren. Eine Verlängerung des Schulbesuches darüber hinaus ist ggf. möglich.

Der größte Teil des Unterrichts in der Berufspraxisstufe findet klassenübergreifend in Form von Kursen zu verschiedenen Arbeitslehrebereichen, berufsvorbereitenden Projekten sowie zukunftsorientierten Lernvorhaben statt (s. 3.1, 3.2, 4). Hinzu kommen Wahlpflichtkurse, die je nach Fähigkeiten, Interessen und Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler eingerichtet und belegt werden. Dieses können z. B. aus den Bereichen Sport, Kulturtechniken, Sachunterricht oder Freizeitgestaltung sein.

2.2 Begleitung der Schülerinnen und Schüler

In der Berufspraxisstufe werden die Schülerinnen und Schüler in einem Bezugslehrersystem betreut. Dies bedeutet, dass die Schülerinnen und Schüler schwerpunktmäßig von einer Lehrperson betreut werden. Diese begleitet die Schülerin oder den Schüler im Rahmen der Berufsvorbereitung.

In festen Sprechzeiten haben die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, mit ihren Bezugslehrpersonen gemeinsam Ziele zu vereinbaren, Wünsche und Bedürfnisse zu besprechen, Arbeitsergebnisse zu analysieren und auszuwerten. Die Ergebnisse dieser Gespräche werden in der fortlaufenden Dokumentation des Berufs- und Lebensplanungsprozesses festgehalten.

Die Bezugslehrerin oder der Bezugslehrer begleitet die Schülerinnen und Schüler auch bei den Prozessen der Elternarbeit und der Potentialanalyse. Darüber hinaus schreiben sie die Förderpläne und Zeugnisse und verwalten die Berufswegepläne.


2.3 Studien- und Berufswahlkoordinatorin / Studien- und Berufswahlkoordinator (StuBO)

Hauptverantwortlich für die Organisation und Koordination der Berufsvorbereitung in der Hansaschule ist die Studien- und Berufswahlkoordinatorin / der Studien- und Berufswahlkoordinator (Abk. StuBO).

Diese/r koordiniert den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen allen an den Prozessen der Berufsorientierung und Berufsvorbereitung beteiligten Institutionen und Personen. Zu den Aufgaben gehören:


  • Koordination der schulischen Berufsorientierung und Berufsvorbereitung

  • Koordination der Kooperation mit außerschulischen Partnern

  • Delegation von Aufgaben an das Team der Berufspraxisstufe und die Fachkonferenz „Berufsorientierung“

  • Informationsaustausch mit dem Kollegium und der Schulleitung

  • Koordination der Prozesse Qualitätssicherung, Dokumentation und Evaluation


Die/der StuBO wird durch die Lehrerkonferenz gewählt. Die Lehrerkonferenz wählt die/den StuBO und eine/n Stellvertreter/in für vier Jahre. Die Kandidatinnen und Kandidaten werden der Lehrerkonferenz durch die Fachkonferenz „Berufsorientierung“ vorgeschlagen.



3 Berufsvorbereitung in der Berufspraxisstufe

Die Berufspraxisstufe versteht sich als Brücke zwischen Schule und Arbeitswelt. In dieser Stufe wird den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit eröffnet, möglichst praxisnahe Erfahrungen im Berufsleben zu sammeln und dadurch Berufsorientierung zu gewinnen. 

Durch das Gesetz zur Einführung Unterstützer Beschäftigung (2008) ist die betriebliche Qualifizierung als neues, trägereinheitliches Produkt in die Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben nach § 33 SGB IX einbezogen worden. Damit soll mehr Menschen mit Behinderung die Möglichkeit eröffnet werden, ihren Lebensunterhalt außerhalb von Werkstätten für Menschen mit Behinderung erarbeiten zu können. In der Berufspraxisstufe finden sich in wachsender Zahl Schülerinnen und Schüler, die über das erforderliche Potenzial verfügen, unterstützte Beschäftigung (mit Arbeitsassistenz) in Dienstleistungs-, Industrie- und Handwerksunternehmen zu leisten oder eine Tätigkeit in einem Integrationsunternehmen zu finden. Eine breitgefächerte individuelle Berufsvorbereitung unter Einbeziehung aller für die Schülerinnen und Schüler möglichen beruflichen Perspektiven ist daher notwendig.

Damit übernimmt die Berufspraxisstufe die Aufgabe,

  • die Schülerinnen und Schüler durch spezielle Angebote auf selbstverständliche Teilhabe am Leben in der Gesellschaft vorzubereiten,

  • den individuellen Lern- und Förderbedarf durch Erstellen einer Potentialanalyse im Hinblick auf die zukünftige Berufswelt der Jugendlichen möglichst präzise zu erfassen.

  • die Schülerinnen und Schüler durch berufsorientierende Maßnahmen und Vermittlung von berufsrelevanten Schlüsselkompetenzen auf Arbeit und Beruf einzustellen,

  • den Schülerinnen und Schülern das Arbeiten in „echten“ Situationen (Lernvorhaben mit Ernstcharakter) entsprechend ihren Bedürfnissen und Interessen zu ermöglichen,

  • zusammen mit jeder Schülerin und jedem Schüler einen individuellen Berufswegeplan zu entwickeln.


3.1 Bereiche der Arbeitslehre

In den verschiedenen Kursen der Arbeitslehre werden neben den fachlichen Kompetenzen auch die notwendigen personalen und sozialen Schlüsselqualifikationen (z.B. Motivation, Zuverlässigkeit, Ausdauer, Arbeitsqualität, Umgang mit Arbeitsmaterialien, Arbeitsschutz, Umgangsformen) als Vorbereitung auf die Arbeitswelt vermittelt und eingeübt. Die Projekte orientieren sich inhaltlich an den möglichen zukünftigen Arbeitsplätzen im Umfeld der Schülerinnen und Schüler. Dazu gehören in erster Linie die Angebote der Werkstätten für Menschen mit Behinderung und der Integrationsunternehmen. Im Rahmen der unterstützen Beschäftigung werden auch Dienstleistungsunternehmen, Industrie- und Handwerksbetriebe aus der Region berücksichtigt.

Die Schülerinnen und Schüler wählen die Arbeitslehre-Kurse mindestens für ein Schulhalbjahr, in manchen Bereichen (z.B. Garten und Textil) ist eine Kursdauer von einem Jahr vorgesehen. Sie wählen mehrere Kurse pro Woche und können somit viele unterschiedliche Erfahrungen sammeln. Nach Beendigung des Kurses erhalten die Schülerinnen und Schüler in Einzelgesprächen eine mündliche und schriftliche Rückmeldung über ihre fachliche Arbeitsleistung und ihre Schlüsselqualifikationen. Gemeinsam wird anschließend festgelegt, welche Kompetenzen sie weiterentwickeln wollen und welche Schwächen noch ausgeglichen werden sollen. Die Ergebnisse werden in den Berufswegeplänen der Schülerinnen und Schüler dokumentiert.

Derzeit gibt es an der Hansaschule folgende Arbeitslehre-Kurse:

3.1.1 Hauswirtschaft: Kochen

Der Hauswirtschaftsunterricht zielt auf Vertiefung bereits angebahnter Grundfertigkeiten, wobei spezielle Kriterien in den Vordergrund gestellt werden (z.B. gleichmäßiges Schneiden in vorgegebene Größen wie Halbieren, Vierteln, Würfeln, in Schiffchen schneiden, sauberes Schälen und Schaben). Zur Komplettierung und Ausformung küchenspezifischer Fertigkeiten kommt z. B. den Aspekten Präsentation und Dekoration, Organisation servicebezogener Abläufe, Bedarfsermittlung, Einkauf, Lagerhaltung, Inventur, Sicherheits- und Gesundheitsaspekte, Hygiene ( Hygienebelehrung in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt) sowie Beachtung des Mindesthaltbarkeitsdatums besondere Bedeutung zu. Eine durchgängige Förderung und Festigung der Eigenständigkeit im hauswirtschaftlichen Rahmen erfolgt durch wiederholtes Fertigen verschiedener Speisen einer überschaubaren Produktpalette.

3.1.2 Schülerfirma „Café- Hansa“

Bei der Arbeit im Schülercafé „Café Hansa“ können die Schülerinnen und Schüler neben den allgemeinen küchenspezifischen Fertigkeiten (s. „Hauswirtschaft: Kochen“) zusätzlich besondere Fähigkeiten erlernen. Hierzu gehören z.B. die Handhabung des Kaffeevollautomaten und der Registrierkasse (mit der Möglichkeit des Erwerbs eines Kassenführerscheins), die Kassenabrechnung und Gewinnermittlung, die Kostenrechnung sowie die einfache Buchhaltung. Weiterhin wird ein sicheres Auftreten in der Öffentlichkeit, der angemessene Umgang mit Kunden und das Schaffen einer kundenfreundlichen Atmosphäre durch künstlerische Dekoration vermittelt.

Die Schülerinnen und Schüler arbeiten in den Pausen im Schülercafé und verkaufen heiße und kalte Getränke sowie Süßigkeiten. Freitags werden zusätzlich verschieden belegte Brötchen, kleine Toastgerichte und Backwaren zubereitet und angeboten. An einem Tag der Woche wird zudem ein Mittagessen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schule hergerichtet und verkauft.

Außerdem beteiligt sich die Schülerfirma „Café Hansa“ an einer begrenzten Anzahl von Cateringveranstaltungen außerhalb der Schule, z. B. auf Weihnachtsmärkten oder Sommerfesten schulischer Kooperationspartner.

Cateringveranstaltungen bieten den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zum Erwerb und Training berufsbezogener Fähigkeiten im möglichst realitätsnahen Arbeitsumfeld sowie zur Darstellung der eigenen Kompetenzen in der Öffentlichkeit im Sinne von Teilhabe, Gleichstellung und Selbstbestimmung.

3.1.3 Hauswirtschaft: Textilpflege

Im Bereich der Textilpflege wird im Hinblick auf zukünftiges eigenständiges Wohnen das Sortieren der Wäsche unter Berücksichtigung der Pflegesymbole, der sachgerechte Umgang mit Waschmaschine und Trockner sowie das fachgerechte Bügeln mit Dampfbügeleisen und Bügelbrett geübt.

3.1.4 Werken: Textil

Bei der Arbeit im Bereich Textil steht das Kennenlernen und der sichere Umgang mit der Nähmaschine im Vordergrund. Die Schülerinnen und Schüler erlernen das Einlegen des Stoffes, das Betätigen des Fußpedals, das Verriegeln der Naht und das Nähen einer geraden Naht in festgelegtem Abstand zum Stoffrand. Bei der Herstellung von textilen Gegenständen lernen die Schülerinnen und Schüler verschiedene Produktionsformen wie Fließbandarbeit, Serienfertigung und arbeitsteiliges Vorgehen kennen. Im Produktionsprozess führen sie neben dem Nähen mit der Nähmaschine auch vorbereitende Tätigkeiten aus wie z.B. das Arbeiten mit einem Schnittmuster, das Stecken bzw. Umbügeln eines Saumes, das Zusammenfalten und Zusammenstecken eines Stoffes „rechts auf rechts“, das Abschneiden von Bändern nach Maß, das Schleifenbinden sowie das Füllen von Säckchen mit verschiedenen Materialien.

Die in dem Kurs Textil hergestellten Produkte werden bei verschiedenen Festen und Veranstaltungen innerhalb und außerhalb der Schule verkauft.

3.1.5 Werken: Holz

In diesem Kurs wird Holz mit verschiedenen Sägen (Feinsäge, Japansäge, Dekupiersäge, Gehrungssäge) zurechtgeschnitten, anschließend mit Schleifpapier geglättet und dann auf verschiedene Arten verbunden (Leim, Nägel, Schrauben, Dübel). Das montierte Produkt wird zum Abschluss mit verschiedenen Mitteln behandelt (Öl, Lack, Wachs). Es werden Dinge wie Holzspiele, Deko-Gegenstände oder Kleinmöbel hergestellt. Die Spiele und Deko-Gegenstände werden im Rahmen außerschulischer Veranstaltungen verkauft.

3.1.6 Werken: Metall / Elektrik / Elektronik

In diesem Kurs wird der Werkstoff Metall in seinen verschiedenen Variationen (Alu – weich oder Stahl – hart) bearbeitet. Die Schülerinnen und Schüler lernen den Umgang mit verschiedenen Metallbearbeitungswerkzeugen (Säge, Feile, Blechschere, Reißnadel, Lötkolben…) kennen und sammeln praktische Erfahrungen bei der Bearbeitung der verschiedenen Metalle. Es werden verschiedene Gegenstände wie Flaschenöffner, kleine Dosen oder LED-Lampen hergestellt.

Beim Löten geht es darum zu erfahren, dass Metalle durch Hitze und Zugabe eines weiteren Metalls verbunden werden kann. Dazu bieten sich zum einen verschieden dicke Drähte an, die man zu Skulpturen formen und verlöten kann, zum anderen lässt sich das Löten gut mit LEDs üben. Hierbei entstehen sehr motivierende Arbeitsstücke, die zudem noch dekorativ sind.

3.1.7 Garten- und Landschaftsbau

Der Kurs Garten- und Landschaftsbau findet in der schuleigenen Kleingartenparzelle im Bulmker Erlenkamp statt. Die Schülerinnen und Schüler erlernen den richtigen Umgang mit Gartengeräten und deren Pflege sowie Grundfertigkeiten der Gartenarbeit (Hacken, Graben, Auflockern der Erde, Mulchen, Pflanzen, Säen, Gießen, Beschneiden von Sträuchern, Mähen, Erkennen und Jäten von Unkraut sowie das Ernten von Obst und Gemüse). Weiterhin wird theoretisches Wissen über Obst, Gemüse und Kräuter sowie die Anzucht und den Verwendungszweck der angebauten Pflanzen vermittelt. Des Weiteren gehören die Pflege des Gartenhauses sowie die Verarbeitung und der Verkauf von Gartenprodukten zu den Aufgaben dieses Arbeitsbereiches.

3.1.8 Tierpflege

Der Kurs Tierpflege findet in Zusammenarbeit mit außerschulischen Kooperationspartnern statt. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten unter fachkundiger Führung (Tierpfleger) in verschieden Arbeitsbereichen. Zu den zu erlernenden Fertigkeiten gehören das Reinigen der Tiergehege, die Zubereitung des Futters, das Versorgen der Tiere mit Futter und richtiges Verhalten im Umgang mit Haus- und Nutztieren.

3.1.9 Werkstattarbeit

Zur direkten Vorbereitung auf die Arbeit innerhalb der Werkstatt für behinderte Menschen werden Tätigkeiten geübt, die in der Werkstatt ausgeführt werden sollen. Dazu arbeiten die Schülerinnen und Schüler nach Absprache mit den dortigen Mitarbeitern mit genau den Materialien, die in den Werkstätten zum Einsatz kommen. Hierzu gehört z. B. das Abzählen von Schrauben mit Hilfe von Zählbrettern, das anschließende Verpacken abgezählter Materialien, das Sortieren verschiedener Materialien (Schrauben, Muttern, Ringe...) nach Art und nach Größe sowie das Montieren von Kleinteilen.


3.2 Berufsvorbereitende Projekte

Berufsvorbereitende Projekte begleiten die Schülerinnen und Schüler und geben ihnen Unterstützung und Orientierung auf dem Weg ihrer Berufsplanung.

3.2.1. bEO – ein Projekt zur beruflichen Erfahrung und Orientierung

Das Projekt „bEO“ wurde von der Hamburger Arbeitsassistenz zur Berufsvorbereitung von Schülerinnen und Schülern mit Lernschwierigkeiten entwickelt. Folgende Elemente daraus adaptiert die Berufspraxisstufe der Hansaschule:


  • Erkennen und Entwickeln eigener Interessen, Stärken, Fähigkeiten, Wünsche und Träume (Selbsteinschätzung) hinsichtlich der weiteren Berufs- und Lebensplanung

  • Kennen lernen von Tätigkeiten und Berufen: Betriebserkundungen, Besuch der DASA in Dortmund, Informationsbücher über die einzelnen Arbeitsplätze in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung, Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche durch Rollenspiele

  • Einüben von Umgangsformen im beruflichen Kontext

  • Erarbeitung von Regeln im Praktikum

  • Führen der Praktikumsmappe und Reflexion der Praktikumserfahrungen.

  • Präsentation der Praktikumsergebnisse

3.2.2. STAR – Schule trifft Arbeitswelt

Das Projekt Star – Schule trifft Arbeitswelt – ist eine Initiative der Landschaftsverbände und unterstützt die berufsvorbereitenden Maßnahmen durch


  • Potentialanalyse,

  • Berufsfelderkundung

  • Berufsorientierungsseminar

  • Betriebserkundung

  • Training arbeitsrelevanter sozialer Kompetenzen (TASK)

    Die einzelnen STAR-Module werden in Zusammenarbeit mit dem Integrationsfachdienst (IFD) durchgeführt.


3.2.3 Orientierungstage

Ein weiterer Baustein der Berufsvorbereitung sind die Tage der Orientierung, z. B. in St. Altfrid, einem Jugendhaus des Bistums Essen, oder in anderen Jugendbildungsstätten mit dem Ziel, die Persönlichkeit der Schülerinnen und Schüler zu stärken. An diesen Tagen wird den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit geboten, eigene Lebensziele zu entwickeln, Grundregeln des sozialen Miteinanders einzuüben und das Zusammenleben mit anderen Menschen als Bereicherung zu erfahren. Der stark ausgeprägte erlebnisorientierte Ansatz dieser Maßnahme befähigt die Schülerinnen und Schüler, einen ganz anderen Zugang zu berufsbezogenen Themen zu finden. Externe Fachkräfte planen gemeinsam mit Lehrerinnen und Lehrern sowie Schülerinnen und Schülern den Aufenthalt unter Einbeziehung der Interessen der Schülerinnen und Schüler. Die Ergebnisse der Orientierungstage werden im Berufswegeplan dokumentiert.



4 Zukunftsorientierte Lernvorhaben

Der Unterricht in der Berufspraxisstufe hat die Aufgabe, die Schülerinnen und Schüler auf das nachschulische Leben vorzubereiten. Neben der dargestellten Vorbereitung auf das Berufsleben ist die persönliche Zukunftsplanung in den Bereichen soziales Leben, Partnerschaft und Sexualität, Öffentlichkeit, Mobilität, Freizeit und Wohnen ein Schwerpunkt der Arbeit in der Berufspraxisstufe. Grundlage dafür sind die Erkenntnisse, die die Schülerinnen und Schüler über sich selbst, ihre Fähigkeiten, Wünsche und Träume im Projekt „bEO“ gewonnen haben.

Ziel ist es


  • die Schülerinnen und Schüler individuell zu qualifizieren, um in dem für sie möglichen Rahmen ihr Leben und ihr Handeln selbstbestimmt, eigenverantwortlich und mit Würde zu meistern,

  • ein Bildungsangebot zur Erkundung und Erprobung von außerschulischen Lebensbereichen (Wohnen, Freizeit, Partnerschaft und Öffentlichkeit) bereit zu stellen.

Hierzu werden folgende Lernvorhaben angeboten:


  • Meine Rechte und Pflichten, wenn ich 18 werde (AG 18 +)

  • Ich erwerbe den Haushaltsführerschein

  • Wie werde ich wohnen? (stationäres und ambulantes Wohnen, Wohntraining)

  • Allein unterwegs (Mobilitätstraining, mit dem ÖPNV zur Arbeit, zu Behörden, zu Freizeiteinrichtungen...)

  • Gesundheit! (z.B. Seminar zur Drogenprävention in Zusammenarbeit mit der Drogenberatungsstelle, Körperhygiene, Hygienebelehrung im Gesundheitsamt, Gesundheitsvorsorge)

  • Sexualerziehung / Verhütung (z.B. in Zusammenarbeit mit der ev. Beratungsstelle, in der wöchentlichen Sprechstunde des Mädchenzentrums

  • Ich kenn mich aus! (Besuch außerschulischer Institutionen und Beratungsstellen, z. B. Integrationsfachdienst, Agentur für Arbeit (BiZ), Versorgungsamt, Amtsgericht, Bürgerbüro, Verbraucherzentrale, Polizei)



5 Praktika

Mit den Praktika als zentralem Bestandteil beruflicher Orientierung soll zur Stärkung der Berufswahlkompetenz und Berufsreife das Arbeiten an Arbeitsplätzen außerhalb von Schule ermöglicht werden. Die Schülerinnen und Schüler erhalten Einblicke in verschiedene Arbeitsbereiche und Arbeitsprozesse, lernen betriebliche und soziale Umgangsformen kennen und üben sie ein. Des Weiteren haben sie die Möglichkeit ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten in Realsituationen auszuprobieren. Praktika finden innerhalb der Werkstatt für Menschen mit Behinderung, in Integrationsunternehmen sowie in Dienstleistungsunternehmen, Industrie und Handwerk statt. Alle Praktika werden individuell vorbereitet, begleitet und nachbereitet und bedürfen eines intensiven Kontaktes und Austausches mit den Kooperationspartnern.


5.1 Angebote

  • Betriebserkundungen: Die ganze Klasse oder Teilgruppen erkunden einzelne Arbeitsbereiche und konkrete Anlerntätigkeiten eines Unternehmens. Die Schülerinnen und Schüler wählen im Rahmen der berufsvorbereitenden Maßnahmen und auf der Basis der jeweiligen persönlichen Interessen und Wünsche die Betriebe aus, die besucht werden sollen, und erlernen den Umgang mit vorbereiteten, klar strukturierten und illustrierten Betriebserkundungsbögen.


  • Schnupperpraktikum: Die Schülerinnen und Schüler werden zu den Schnuppertagen entweder vom Integrationsfachdienst oder von Lehrkräften begleitet, soweit dies erforderlich ist, und arbeiten dann einen Tag lang selbstständig und eigenverantwortlich in dem Unternehmen oder in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung.


  • Tagespraktikum: Die Schülerinnen und Schüler arbeiten ein Jahr lang an einem Tag in der Woche in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung oder in einem anderen Unternehmen.


  • Blockpraktikum: Die Schülerinnen und Schüler arbeiten über einen Zeitraum von zwei bis vier Wochen in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung oder einem anderen Unternehmen.


  • Ferienpraktikum: Die Schülerinnen und Schüler arbeiten über einen Zeitraum von zwei bis vier Wochen in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung oder einem anderen Unternehmen.


  • Praktikum in der Schülerfirma: Die Schülerinnen und Schüler arbeiten an einem Tag während einer Cateringveranstaltung (vier bis fünf Veranstaltungen im Jahr) im Café Hansa außerhalb der Schule.


5.2 Vorbereitung, Begleitung und Auswertung der Praktika

Die Praktika werden im Rahmen der berufsvorbereitenden Maßnahmen individuell nach den Wünschen und Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler ausgesucht und mit ihnen zusammen vorbereitet. Bei der Akquisition von Praktikumsplätzen werden die Schülerinnen und Schüler in der Regel von der/dem StuBO, dem Integrationsfachdienst und den Lehrkräften unterstützt, indem sie je nach Wünschen und Interessen der Schülerinnen und Schüler Praktikumsunternehmen, die in Frage kommen, kontaktieren und die Schülerinnen und Schüler zu den Praktikumsunternehmen begleiten. Bei Praktika außerhalb der Werkstatt für Menschen mit Behinderung wird zwischen dem Praktikumsunternehmen, dem Praktikanten bzw. Erziehungsberechtigten und der Schule ein schriftlicher Praktikumsvertrag abgeschlossen, der die Rechte und Pflichten der einzelnen Praktikumsparteien regelt. Begleitet werden die Praktika von der/dem StuBO, dem Integrationsfachdienst und den Lehrkräften.

Der Umfang der Praktikumsbesuche richtet sich nach Art des Praktikums, dem Entwicklungsstand und der damit verbundenen erforderlichen Unterstützung der Schülerinnen und Schüler und den Absprachen mit den Praktikumsunternehmen. In der Regel werden Blockpraktikanten zweimal in der Woche besucht.

Betriebserkundungen und Schnuppertage werden gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern mit Hilfe der klar strukturierten und illustrierten Betriebserkundungsbögen reflektiert und ausgewertet. Diese werden anschließend im Berufswegeplan aufbewahrt.

Praktika werden nach Beendigung im Praktikumsunternehmen reflektiert. Hierzu findet ein Gespräch mit dem Praktikanten, den Erziehungsberechtigten, dem zuständigen Mitarbeiter des Praktikumsunternehmens und einer Lehrkraft statt. Bei einem Praktikum außerhalb der Werkstatt für Menschen mit Behinderung nimmt auch der Integrationsfachdienst an dem Gespräch teil. Während dieses Gesprächs wird ein detaillierter Reflexionsbogen (für schwächere Schülerinnen und Schüler ist dieser Bogen illustriert) ausgefüllt. Der Reflexionsbogen gibt Auskunft über die Art der Tätigkeiten, die fachliche Arbeitsleistung und die Schlüsselqualifikationen, über die die Schülerin und der Schüler verfügen. Der Reflexionsplan wird im Berufswegeplan aufbewahrt.

6 Dokumentation in der Berufspraxisstufe

6.1 Berufswegeplan

Der Berufswegeplan dokumentiert den Verlauf und die Ergebnisse der Berufsvorbereitung der einzelnen Schülerinnen und Schüler und macht einen Informationsaustausch aller am Berufswahlprozess Beteiligten möglich.

Die ersten Angaben zum Leistungsstand der einzelnen Schülerinnen und Schüler in den verschiedenen Entwicklungsbereichen werden bereits von den abgebenden Lehrkräften der Oberstufen gemacht. Der Plan wird fortlaufend weitergeschrieben und begleitet die Schülerinnen und Schüler bis zum Ende ihrer Schulzeit. Er beinhaltet die Förderpläne aus der Berufspraxisstufe, die Ergebnisse der Potentialanalyse, Zertifikate aus den verschiedenen Projekten und Kursen, ggf. Teilnahmebescheinigungen an STAR-Modulen und die Ergebnisse der Orientierungstage und der Praktika.

Im Einzelnen gibt er Auskunft über


  • Alltagskompetenzen und berufliche und soziale Schlüsselqualifikationen

  • besondere Interessen für bestimmte Berufsfelder und Tätigkeiten

  • notwendige Unterstützungsmaßnahmen für die Schülerinnen und Schüler.


Der Berufswegeplan wird mit Einverständnis der Erziehungsberichtigten und der Schülerinnen und Schüler an die Werkstätten für Menschen mit Behinderung als Informationsgrundlage weitergeben. Schülerinnen und Schüler, die nicht in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung tätig sein werden, bekommen ihre Berufswegepläne am Ende des Schuljahres zusammen mit dem Zeugnis ausgehändigt.


6.2 Förderplan

Die Bedürfnisse, Kenntnisse, Fähigkeiten und Förderbedarfe aller Schülerinnen und Schüler werden auch in der Berufspraxisstufe in Form von individuellen Förderplänen diagnostiziert und dokumentiert.

Die Förderpläne dienen dabei der Orientierung und der Zielsetzung im Prozess der Berufsvorbereitung. Die Förderpläne beschreiben, welche Kenntnisse und Fähigkeiten bereits vorhanden sind und in welchen Kompetenzbereichen noch Förderbedarf besteht. Dabei stehen besonders arbeitsrelevante Kompetenzen im Mittelpunkt der Analyse.


6.3 Die Zertifikate

Die Leistungen der Schülerinnen und Schüler im Rahmen der Berufsvorbereitung werden in Form von Zertifikaten dokumentiert. Sie dienen in einem wesentlichen Maße auch der Beschreibung von Kenntnissen, Fähigkeiten und Einstellungen der Schülerinnen und Schüler im Bereich der Arbeits- und Berufswelt. Entscheidende Kompetenzen werden hier erst in der praktischen Arbeit erlernt, vermittelt oder sichtbar. Um diese Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler in den Zertifikaten fundiert bewerten zu können, fließen die Rückmeldungen aus Betriebs- und Werkstattpraktika in die Zertifikate mit ein.

Die Zertifikate werden mit Schülerinnen und Schülern und Eltern besprochen. Dabei werden Fähigkeiten und Erfolge gewürdigt, aber auch vorhandene Probleme und Schwierigkeiten angesprochen. Die Zertifikate sollen als Ausgangspunkt genutzt werden, um in gemeinsamer Absprache mit den Schülerinnen und Schülern Ziele für den weiteren Verlauf der schulischen Berufsvorbereitung zu vereinbaren.


6.4 Zukunftsordner

In dem Zukunftsordner sammeln die Schülerinnen und Schüler die Ergebnisse, die sie während ihrer zweijährigen Berufspraxisstufenzeit im Rahmen der beruflichen und persönlichen Lebensplanung zu den Themen soziales Leben, Partnerschaft und Sexualität, Öffentlichkeit, Mobilität, Freizeit, Wohnen und Arbeiten erarbeitet haben. Hierzu gehören z.B.


  • Mein Profil: So bin ich. Das mache ich gerne in meiner Freizeit. Das kann ich gut. Die wichtigsten Personen in meinem Leben.

  • Arbeit, was kenn ich schon? Arbeiten - Das ist mir wichtig. Erstellung einer Berufe-Sammlung. Diese Arbeit möchte ich gerne einmal kennen lernen.

  • Mein Praktikum: Meine Erwartungen von einem Praktikum. Regeln im Praktikum. Der erste Eindruck zählt (Vorstellung im Praktikumsunternehmen). Meine Praktikumsmappe. So war mein Praktikum

  • So wünsche ich mir mein Leben: Meine Träume und Wünsche. Meine Ängste und Alpträume. Das macht mein Leben schön. Das sind meine Ziele.

  • Meine Zertifikate


Der Zukunftsordner wird von den Schülerinnen und Schüler selber geführt und nach Beendigung der Schulzeit mit nach Hause genommen. Er bildet das „private Gegenstück“ zum Berufswegeplan.



7. Kooperation mit den Erziehungsberechtigten

In der Berufspraxisstufe finden drei Elterntage im Jahr statt, an denen die Erziehungsberechtigten in der Regel die Möglichkeit haben, nicht nur mit den Lehrerinnen und Lehrern, sondern auch mit der Reha-Beraterin der Agentur für Arbeit und der Vertreterin des Integrationsfachdienstes zu sprechen und Wünsche und Anregungen hinsichtlich der Berufsvorbereitung ihrer Kinder zu äußern. Das Gespräch kann in Form eines runden Tisches mit Erziehungsberechtigten, Schülerinnen und Schülern und weiteren Begleitern geführt werden. Nachdem die Ergebnisse der Potentialanalyse erläutert worden sind, können nach intensiver Beratung die Weichen für das weitere Vorgehen hinsichtlich beruflicher und persönlicher Zukunftsplanung gestellt werden. Die Ergebnisse werden im Berufswegeplan dokumentiert. An einem Elterntag stehen auch noch zusätzlich die Vertreter der Werkstatt für Menschen mit Behinderung für Informationsgespräche zur Verfügung. Des Weiteren haben die Erziehungsberechtigten die Möglichkeit, sich an Informationsabenden über die Arbeit in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung zu informieren. Im Anschluss an die nach einem Praktikum stattfindenden Reflexionsgespräche können die Erziehungsberechtigten ebenfalls Wünsche und Anregungen hinsichtlich der Berufsvorbereitung ihrer Kinder gegenüber den Lehrerinnen und Lehrern äußern. Zusätzlich werden die Erziehungsberechtigten gebeten, Informationen über besondere Bedingungen, Wünsche, Interessen und notwendige Hilfen ihrer Kinder für die Dokumentation im Berufswegeplan zu geben. Die RAA unterstützt die Elterntage an der Schule durch die Vermittlung von Dolmetschern. Die Erziehungsberechtigten haben natürlich jederzeit nach Terminabsprache die Möglichkeit des Beratungsgesprächs.